Also einerseits ist es schon ein wenig schräg für mein Empfinden, sich mit Themen in Artikeln eines anderen Blog´s (natürlich artikel-verlinkt) im eigenen Blog auseinanderzusetzen. Aber naja … schön wär es irgendwie schon und es hätte Vorteile *grins*.
Einer davon ist, dass die eigene Beschäftigung mit dem Thema sooo lang sein kann, dass diese in Form eines Kommentars für den armen “Erstautor” verständlicherweise auch nervig werden kann.
Dann will man vielleicht Aspekte beleuchten, die den “Erstautor” nun nicht die Bohne interessieren oder die er vielleicht sogar bewusst nicht diskutieren wollte. Und dann wird er aus seiner Sicht mit aufgedrängelten Randthemen belästigt. Hach jooo … *seufz* … das kann schon blöd sein. (An der Stelle hätte ich übrigens gern meinen Freund – den seufzenden kleinen Maulwurf – eingefügt … aber Urheberrechte lassen mich da vorsichtig sein.)
Ein weiteres nicht zu unterschätzendes Plus ist … man hat HEIMVORTEIL. *fröhlich-grins*
Deswegen stelle ich mal die Frage ins kosmische Nichts … ist der Gedanke nun cool, ertragbar oder geht er gor nich?
“Ich würde dir gerne helfen … und habe dabei das Gefühl, als wäre ich, räumlich gesehen, auf dem Mond… unendlich weit weg… “Peter(s)chens Mondfahrt” oder so… “
Diese Woche ist wohl nicht meine Woche. Sie schließt sich mit ihrer gruseligen Stimmung der vorigen Woche an. Auch wenn die Themen, die das Gemüt beeinflussen, nicht die gleichen sind. Aber Punkto emotionales Belastungsspektrum nehmen sie sich nichts.
Es ist scheinbar wie immer bei mir: berufliche Probleme kommen heftig, lassen mich aber doch relativ schnell wieder ruhig werden; private Probleme kommen langsamer, werden mindestens genauso heftig und bleiben erstmal. Es sind aber letztere Sorgen, die mich nicht schlafen lassen. Was sicher auch daran liegt, dass alles Berufliche stets eine rationale Lösung findet. Und die kristallisiert sich relativ schnell heraus.
Privat kristallisiert da bei mir gar nichts. niente, nada, нечего, nichts. Mit keiner sinnvollen Überlegung ist dem beizukommen. Emotionen kommen und gehen manchmal in Wellen wie die See; Rauh und stürmisch. Manchmal umgeben sie mich wie herbstliche Nebelschwaden.
Abwarten und in-sich-hineinhorchen sind nun auch nicht sehr sinnig und ruhebringend. Ganz im Gegenteil. Eigentlich ist ein feines Mittel gegen privaten Kummer: Ablenkung. Ablenkung in Form von Arbeit funktioniert in einem Stadium, wo sich privat alles überschlägt, nur mäßig. Zumal auch hier noch der Kummer der letzten Woche im Raum steht – mit der Idee einer Lösung – nicht aber schon mit der Lösung selbst. (Ironie des Schicksals … noch zwei Wochen innere Trauer und mein Schreibtisch ist seit Jahren mal wieder edel aufgeräumt. Den Tischler, der sich unheimlich Mühe mit dem Umbau gegeben hat, wird´s freuen.)
Die Ablenkungsmechanismen, die ich eigentlich sonst anlaufen lasse, wenn ich privat so am Zerbröckeln bin … die will ich hier gar nicht im Detail erläutern. Sie sind so simpel wie erfolgreich. Aber es besteht die Gefahr, sie hinterlassen Friedhöfe. Friedhöfe bei anderen, die es gut mit mir meinen. Dass ich auch in Kummerphasen anderen noch was geben kann, ist wohl das einzig positive und nette, was sich da als Entschuldigung anbringen lässt.
Aber in 2010 ist etwas anders – anders als in 2009 und sicher auch anders als früher. Ich habe immense Skrupel, andere mit meiner Trauer zu belasten. Und noch größere Skrupel habe ich bezüglich der bisherigen Ablenkungs- und Verarbeitungstaktiken. Wobei … auch wenn sich das wie “ausgefeilte Pläne zur Krisenbewältigung” anhört … das ist es nicht. Es geht um ziemlich spontane und nicht wirklich überlegte Bauchentscheidungen, die die Trauergefühle im Bauch erfolgreich zum Schweigen bringen. Freundinnen sagen, ich hätte ein Talent dafür. Eine zweifelhaftes Talent, wie ich im Moment meine. Ein Talent, das Friedhöfe hinterlassen kann, auf denen Emotionen lieber Menschen zurückbleiben. Die Hoffnung, die ich so traurig, leise und ungewollt in anderen wecke, kann ich in dem Stadium nicht erfüllen.
Und so stelle ich in den letzten Tagen und Wochen fest, dass mich dieses Mitgefühl für andere um Lichtjahre in der Tränenbewältigung zurückwirft. Ich werde zögerlich, vorsichtig und bremse Freunde und Bekannte eher aus. Das ist so ungewohnt *seufz*. Und es führt dazu, dass ich ohne die wichtigsten üblichen Ablenker meinen eigenen, wellenartig über mich schwappenden Trauerempfindungen wie eine kleine Nusschale ausgeliefert bin.
Das einzig positive in Wochen und Monaten wie diesen … es trennt sich die Spreu vom Weizen. Nie deutlicher als jetzt. Wahre Freunde zeigen sich immer, wenn man so drauf ist, wie ich im Moment. (Ich bin Euch so unendlich dankbar für alles!) Und Leute, die man nur für Freunde gehalten hat, die outen sich unfreiwillig auch.
Noch bin ich mir nicht sicher, ob ich in meinen emotionalen Nebelschwaden schon erfasse, was gerade alles vergänglich ist. Aber ich merke, ich bin nicht blind. Im Nebel und auf Friedhöfen kann Vergänglichkeit auch schöne Seiten haben.
Rede von Bundespräsident Christian Wulff zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit in Bremen
03.10.2010 Bremen
Änderungen vorbehalten.
Es gilt das gesprochene Wort.
“Wir feiern heute, was wir vor 20 Jahren erreicht haben: Einigkeit und Recht und Freiheit für unser deutsches Vaterland. Wir erinnern uns an jenen epochalen Tag, wie ihn ein Volk nur selten erlebt. Ich denke an die Bilder aus Berlin, in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober. An die Menschen, die vor dem Reichstagsgebäude standen. An die gespannte Erwartung in den Momenten vor Mitternacht. An den Klang der Freiheitsglocke. An das Hissen der Fahne der Einheit. An die Nationalhymne. An das Glücksgefühl. An die Tränen. An den Zusammenhalt in diesem historischen Augenblick unserer Geschichte. Auch 20 Jahre später erfüllt mich dies mit großer Dankbarkeit.
Seit 20 Jahren sind wir wieder “Deutschland, einig Vaterland”. Doch was meint “einig Vaterland”? Was hält uns zusammen? Sind wir zusammengewachsen, trotz aller Unterschiede?
Eine erste Antwort liegt auf der Hand: Es ist die Erinnerung an unsere gemeinsame Geschichte.
Zu ihr gehört, dass wir an alle denken, die diese Einheit möglich machten. An die Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler, die beharrlich gegen eine Diktatur Widerstand geleistet haben. Die verstorbene Bärbel Bohley war eine von ihnen. Sie hat gezeigt, was Mut bewegen kann und hat damit vielen Menschen Mut gegeben. “Nichts war uns zu groß, als dass wir es nicht angepackt, nichts war uns zu klein, als dass wir uns nicht darum gekümmert hätten.” Das war so ein Satz von ihr. Er berührt mich bis heute. Ich verneige mich vor Bärbel Bohley. Ich verneige mich vor allen, die für die Freiheit gekämpft haben.
Die Kirchen gaben dem aufbrechenden Mut zur Freiheit ein Obdach. Viele Menschen fühlten: Es muss sich etwas ändern. Doch damit allein ändert sich nichts. Ich muss etwas ändern. Und es begann mit den Montagsgebeten und den Montagsdemonstrationen. Erst gingen wenige, dann immer mehr Mutige auf die Straßen, überall in Ostdeutschland. Es wurde zum “Wunder von Leipzig”. Mit seiner Wucht und seinem friedlichen Verlauf war es wirklich ein Wunder, ein Wendepunkt. Bewirkt von Menschen. Sie haben sich selbst aus der Diktatur befreit – ohne Blutvergießen. Der Freiheitswille der Menschen war immer da – ungebrochen. Doch jetzt war die Zeit da. Was 1953 noch von Panzern niedergewalzt wurde, konnte 1989 nicht mehr aufgehalten werden. Das ist die historische Leistung der Menschen. Ihr Mut hat die Welt beeindruckt.
Ohne die europäische Freiheitsbewegung ist die deutsche Einigung nicht denkbar. Nicht ohne die polnischen Arbeiter mit dem polnischen Papst im Rücken, Johannes Paul II., der vor Ort predigte “Fürchtet Euch nicht”. Die “Solidarnosc” hat Stück für Stück ihre Freiheit erkämpft und damit letztlich auch unsere. Das sage ich besonders gerne hier in Bremen, der Partnerstadt von Danzig. Nicht ohne Michail Gorbatschow, der im Zuge von Glasnost und Perestroika den Machtanspruch der Sowjetunion aufgab, über andere Länder zu herrschen und so Selbstbestimmung ermöglichte. Nicht ohne die ungarische Regierung, die die Grenze als erste geöffnet hatte. Russen, Polen, Ungarn – das war ganz große Hilfe von Freunden, von denen wir es nicht erwarten konnten.
Wir erinnern an die Monate, in denen Volkskammer und Bundestag um die vielen kleinen Schritte zur Einheit Deutschlands rangen. Das war eine beispiellose Leistung von Politik und Verwaltungen in beiden Teilen Deutschlands.
Es gab Ängste und Widerstände. Vor allem im Ausland fragten sich viele, ob das gut geht, wenn es ganz Deutschland wieder gut geht. Wer wollte ihnen das verdenken, nach den von Deutschland ausgehenden Irrwegen, Schrecken und Katastrophen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Weitsichtige Staatsmänner halfen, die Ängste und Widerstände zu überwinden: Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher gemeinsam mit Lothar de Maizière. Wegbereiter waren Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Schmidt. Sie alle haben Vertrauen geschaffen. Ohne dieses Vertrauen hätte es die Wiedervereinigung so nicht gegeben. Und auch nicht ohne unsere Freunde im transatlantischen Bündnis, die über 40 Jahre hinweg die Freiheit der Bundesrepublik und West-Berlins garantiert hatten. Die Unterstützung der Einigung durch George Bush sen. werden wir nie vergessen. Für all das sind wir unendlich dankbar.
Deutschland konnte als Ganzes wieder zum gleichberechtigten Mitglied der Völkergemeinschaft werden. Wir sind umgeben von Freunden. Welch ein großes Glück – für unser Land und für die Menschen.
Aus zwei Staaten wurde einer. Das war nicht ohne Probleme. Aber es gab viel Solidarität. Westdeutsche machten sich im Osten und für den Osten stark, mit ihrem Fachwissen, ihrem Unternehmergeist und ihrer politischen Erfahrung. Die Ostdeutschen aber waren es, die den allergrößten Teil des Umbruchs geschultert haben, damit unser Land wieder zusammenfand. Sie mussten ihr Leben gewissermaßen von ganz Neuem beginnen, ihren Alltag neu organisieren, Chancen nutzen. Sie haben es getan. Mit einer unglaublichen Bereitschaft zur Veränderung. Das ist bis heute nicht ausreichend gewürdigt worden.
Viele konnten ihre Hoffnungen verwirklichen – endlich reisen, wohin sie wollten, das studieren und lesen, was sie wollten, diskutieren, was und mit wem sie wollten, sich frei für einen Beruf entscheiden oder sich mit ihren Ideen selbständig machen. Andere haben jahrelang um einen persönlichen Neuanfang gerungen. Manche bis heute.
Gewiss ist auch Erhaltenswertes verloren gegangen. Aber Unendlich Wertvolles wurde jedoch gewonnen: die Erfahrung der Menschen, dass sie mit ihrem Mut zur Veränderung ihr eigenes Leben in Freiheit gestalten konnten. Damit haben sie derunserer deutschen Geschichte ein wichtiges Kapitel hinzugefügt. Damit haben sie aus ganz Deutschland ein anderes Deutschland gemacht. Damit haben sie vorgelebt, wie Umbrüche zu meistern sind, für das persönliche Glück wie für unseren Zusammenhalt.
Und Damit kommen wir zur zweiten Antwort auf unsere Frage: “Deutschland, einig Vaterland”? Was heißt das heute? 20 Jahre nach der Einheit, wo wir stehen wir vor der großen Aufgaben stehen, mit demneuen Mut zur Veränderung zu finden, neuen Zusammenhalt zu ermöglichenfinden in Deutschland, in einer sich rasant verändernden Welt. Denn in dieser Welt ist das Versprechen alter Gewissheiten trügerisch.
Unser Land ist offener geworden, der Welt zugewandter. Vielfältiger – und unterschiedlicher. Alltag und Lebensentwürfe haben sich gewandelt. Die Gründe kennen wir: weltweiter Wettbewerb, globale Handelswege, neue Technologien, grenzenlose Kommunikation, Zuzug von Einwanderern, demographischer Wandel und – ja, auch das, neue Bedrohungen von außen.in unserem Land driften in unterschiedlichen Bereichen eher auseinander: die Lebenswelten von Alten und Jungen; Spitzenverdienern und denen, die vom Existenzminimum leben; von Menschen mit und ohne sicherem Arbeitsverhältnis; von Volk und Volksvertretern; von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Glaubensbekenntnisse. Lebenswelten
Manche Unterschiede lösen Ängste aus, leugnen dürfen wir sie nicht. Doch trotzdem kann gar nicht oft genug gesagt werden: Ein freiheitliches Land wie unseres – es lebt von Vielfalt, es lebt von unterschiedlichen Lebensentwürfen, es lebt von Aufgeschlossenheit für neue Ideen. Sonst kann es nicht bestehen. Zu viel Gleichheit erstickt die eigene Anstrengung und ist nur um den Preis der Unfreiheit zu haben.Das Unser Land muss Verschiedenheit aushalten. Es muss sie wollen. Aber: Zu große Unterschiede gefährden den Zusammenhalt. Und Daraus folgt für mich: Vielfalt schätzen, Risse in unserer Gesellschaft schließen – das bewahrt vor Illusionen, das schafft echten Zusammenhalt. Das ist Aufgabe der “Deutschen Einheit” – heute!
1989 haben die Ostdeutschen gerufen: “Wir sind das Volk, wir sind ein Volk!” Das rief ein Nationalgefühl wach, das lange verschüttet war – aus nachvollziehbaren historischen Gründen. Inzwischen ist in ganz Deutschland ein neues Selbstbewusstsein gewachsen, ein unverkrampfter Patriotismus, ein offenes Bekenntnis zu unserem Land, das um die große Verantwortung für die Vergangenheit weiß und so Zukunft gestaltet. Dieses – im Sinne des Wortes – Selbst-Bewusstsein tut uns gut. Es tut auch unserem Verhältnis zu anderen gut: Denn wer sein Land mag und achtet, kann besser auf andere zugehen.
“Wir sind ein Volk”! Dieser Ruf der Einheit muss heute eine Einladung sein an alle, die hier leben. Eine Einladung, die nicht gegründet ist auf Beliebigkeit, sondern auf Werten, die unser Land stark gemacht haben. Mit einem so verstandenen “wir” wird Zusammenhalt gelingen – zwischen denen, die erst seit kurzem hier leben, und denen, die schon so lange einheimisch sind, dass manche vergessen haben, dass auch ihre Vorfahren von auswärts kamen.
Wenn mir deutsche Musliminnen und Muslime schreiben: “Sie sind unser Präsident” – dann antworte ich aus vollem Herzen: Ja, natürlich bin ich Ihr Präsident! Und zwar mit der Leidenschaft und Überzeugung, mit der ich der Präsident aller Menschen bin, die hier in Deutschland leben.
Ich habe mich gefreut über den offenen Brief einer Gruppe von Schülern mit familiären Wurzeln in 70 verschiedenen Ländern. Sie alle sind Stipendiaten einer Stiftung, die engagierte Jugendliche unterstützt. Sie schreiben: “Für uns spielt keine Rolle, woher einer kommt, sondern vielmehr, wohin einer will. Wir glauben daran, dass wir gemeinsam unseren Weg finden werden. Wir wollen hier leben, denn wir sind Deutschland.”
Natürlich spielt es eine Rolle, woher einer kommt. Es wäre schade, wenn das nicht so wäre. Aber die entscheidende Botschaft dieses Appells lautet: Wir sind Deutschland!
Wir sind Deutschland. Ja: Wir sind ein Volk. Und weil diese Menschen mit ausländischen Wurzeln mir wichtig sind, will ich nicht, dass sie verletzt werden in durchaus notwendigen Debatten. Legendenbildungen, Zementierung von Vorurteilen und Ausgrenzungen dürfen wir nicht zulassen. Das ist in unserem ureigenen nationalen Interesse.
Die Zukunft gehört den Nationen, die offen sind für kulturelle Vielfalt, für neue Ideen und für die Auseinandersetzung mit Fremden und Fremdem. Deutschland muss mit seinen Verbindungen in alle Welt offen sein gegenüber denen, die aus allen Teilen der Welt zu uns kommen. Deutschland braucht sie! Im Wettbewerb um kluge Köpfe müssen wir die Besten anziehen und anziehend sein, damit die Besten bleiben. Meine eindringliche Bitte lautet: Lassen wir uns nicht in eine falsche Konfrontation treiben. Johannes Rau hat bereits vor zehn Jahren klug und nachdenklich an uns appelliert, “ohne Angst und ohne Träumereien” gemeinsam in Deutschland zu leben.
Wir haben von drei Lebenslügen längst Abschied genommen. Wir haben erkannt, dass Gastarbeiter nicht nur vorübergehend kamen, sondern dauerhaft blieben. Wir haben erkannt, dass Einwanderung stattgefunden hat, auch wenn wir uns lange nicht als Einwanderungsland definiert und nach unseren Interessen Zuwanderung gesteuert haben. Und wir haben erkannt, dass multikulturelle Illusionen die Herausforderungen und Probleme regelmäßig unterschätzt haben. Verharren in Staatshilfe, Kriminalitätsraten, Machogehabe, Bildungs- und Leistungsverweigerung. Ich habe die vielen hundert Briefe und E-Mails gelesen, die mich zu diesem Thema erreichten. Mich beschäftigen die Sorgen und Ängste der Bürgerinnen und Bürger sehr.
Und dennoch, wir sind weiter, als es die derzeitige Debatte vermuten lässt: Es ist Konsens, dass man Deutsch lernen muss, wenn man hier lebt. Es ist Konsens, dass in Deutschland deutsches Recht und Gesetz zu gelten haben. Für alle – wir sind ein Volk.
Es gibt Hunderttausende, die sich täglich für bessere Integration einsetzen. Viele – zum Beispiel als Integrationslotsen – freiwillig, uneigennützig und ehrenamtlich. Unsere Kommunen leisten Beträchtliches, wenn sich Politik und Bürger zusammentun. Alle sollen gemeinsam das Netz weben, das unsere Gesellschaft in aller Vielfalt und trotz aller Spannungen zusammenhält.
Auch wenn wir weiter sind, als es die derzeitige Debatte vermuten lässt, sind wir ganz offenkundig nicht weit genug. Ja, wir haben Nachholbedarf, ich nenne nur als Beispiele: Integrations- und Sprachkurse für die ganze Familie, mehr Unterrichtsangebote in den Muttersprachen, islamischen Religionsunterricht von hier ausgebildeten Lehrern. Und ja, wir brauchen viel mehr Konsequenz bei der Durchsetzung von Regeln und Pflichten- etwa bei Schulschwänzern. Das gilt übrigens für alle, die in unserem Land leben.
Zuallererst brauchen wir eine klare Haltung: Ein Verständnis von Deutschland, das Zugehörigkeit nicht auf einen Pass, eine Familiengeschichte oder einen Glauben verengt. Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland. Vor fast 200 Jahren hat es Johann Wolfgang von Goethe in seinem “West-östlichen Divan” zum Ausdruck gebracht:
“Wer sich selbst und andere kennt, wird auch hier erkennen: Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.”
Wie haben die Schüler gesagt? Wichtig ist, wohin einer will. Sie glauben daran, dass wir einen gemeinsamen Weg finden. Der gemeinsame Weg braucht Einigkeit über das gemeinsame Ziel.
Jetzt zur dritten Antwort auf unsere Ausgangsfrage. “Deutschland, einig Vaterland” – zu Hause zu sein in diesem Land: das heißt, unsere Verfassung und die in ihr festgeschriebenen Werte zu achten und zu schützen: Zuallererst die Würde eines jeden Menschen, die Meinungsfreiheit, die Glaubens- und Gewissensfreiheit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Sich an unsere gemeinsamen Regeln zu halten und unsere Art zu leben, zu akzeptieren. Wer das nicht tut, wer unser Land und seine Werte verachtet, muss mit entschlossener Gegenwehr rechnen – das gilt für fundamentalistische ebenso wie für rechte oder linke Extremisten.
Wir erwarten zu Recht, dass jeder sich nach seinen Fähigkeiten einbringt in unser Gemeinwesen. Wir verschließen nicht die Augen vor denjenigen, die unseren Gemeinsinn missbrauchen. “Unser Sozialstaat ist kein Selbstbedienungsladen ohne Gegenleistungsverpflichtung”, so schlicht und richtig hat es die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig ausgedrückt. Und weiter: “Wenn die Menschen staatlich alimentiert werden, darf die Gemeinschaft erwarten, dass die Kinder wenigstens in die Schule geschickt werden, damit sie einen anderen Weg einschlagen und in ihrem späteren Leben auf eigenen Beinen stehen.”
Wir achten jeden, der etwas beiträgt zu unserem Land und seiner Kultur. Es gibt die Ärztin, den Deutschlehrer, den Taxifahrer, die Fernsehmoderatorin, den Gemüsehändler, den Fußballspieler, den Filmemacher, die Ministerin und viele weitere Beispiele gelungener Integration.
Wir können stolz sein auf unsere kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Leistungen. Vor allem auf das soziale Klima in unserem Land, auf Toleranz, Kompromissfähigkeit und Solidarität. Das hat uns auch in der Wirtschaftskrise geholfen. Gewerkschaften, Arbeitgeber, Beschäftigte – alle haben gezeigt: Die Kraft zum Ausgleich, zum Verhandeln, zu einfallsreichen Lösungen, die Kraft zum Zusammenhalt, die Kraft zum Konsens – das ist Deutschland.
Neuer Zusammenhalt in der Gesellschaft ist nur möglich, wenn sich kein Stärkerer entzieht und kein Schwächerer ausgegrenzt wird. Wenn jeder in Verantwortung genommen wird und jeder verantwortlich sein kann.
Wer lange vergeblich nach Arbeit sucht, sich von einem unsicheren Job zum nächsten hangeln muss, wer das Gefühl hat, nicht gebraucht zu werden und keine Perspektive erhält, der wird sich enttäuscht von dieser Gesellschaft abwenden.
Wer sich zur Elite zählt, zu den Verantwortungs- und Entscheidungsträgern, und sich seinerseits in eine eigene abgehobene Parallelwelt verabschiedet – auch der wendet sich von dieser Gesellschaft ab. Leider haben wir genau dies erlebt. Niemand sollte vergessen, was er auch dem Zufall seiner Geburt und unserem Land zu verdanken hat – und er sollte es als seine Pflicht begreifen, unserem Gemeinwesen etwas zurückzugeben.
Die immer zahlreicheren Älteren bringen viel Gutes ein. Viele wollen über die Altersgrenzen hinaus in ihrem Beruf arbeiten, aber mit etwas weniger Stunden. Das müssen wir möglich machen. Andere engagieren sich ehrenamtlich, bringen ihr Wissen und ihre Erfahrung ein – warum nicht auch in einem freiwilligen sozialen Jahr für Ältere?
Wie sieht eine Gesellschaft aus, in der sich niemand überflüssig fühlt und die niemanden überflüssig macht? Wie können die integriert werden, die schon seit vielen Jahren keine Arbeit mehr haben? Wie können die teilhaben, denen wegen einer Behinderung nicht die gleichen Möglichkeiten offen stehen wie anderen?
Die erfolgreichste Art, den Zusammenhalt zu stärken, ist, anderen zu vertrauen und ihnen etwas zuzutrauen. Menschen können so vieles erreichen, wenn jemand an sie glaubt und sie unterstützt. Das habe ich immer wieder erlebt. In der Kinderkrippe meines Sohnes, in der behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam betreut werden, ist ein kleiner Junge. Seinen Eltern wurde wegen dessen Behinderung vorhergesagt: Er wird nur krabbeln können. Jetzt kann er laufen. Durch neuartige, früh- und heilpädagogische Förderung. Und weil die Eltern und Erzieherinnen ihn unterstützt und ihm etwas zugetraut haben und er von anderen Kindern lernen konnte.
Wir müssen bei den Kindern anfangen. Wie viele einst an die Einheit geglaubt haben, obwohl sie in weiter Ferne lag, müssen wir uns Ziele stecken, die weit entfernt scheinen, aber erreichbar sind: Kein Kind soll ohne gute Deutschkenntnisse in die Schule kommen. Kein Kind soll die Schule ohne Abschluss verlassen. Kein Kind soll ohne Berufschance bleiben. Es sind unsere Kinder und Jugendlichen, um die es hier geht. Sie sind das Wertvollste, was wir haben.
Manches kostet keinen Cent, nur Zeit und Zuwendung: mit einem Kind – nicht nur mit dem eigenen – etwas unternehmen, ihm etwas vorlesen, ihm zuhören. Wir brauchen Eltern, die ihren Kindern sagen: Strengt Euch an! Wir brauchen mehr Lob und Unterstützung für Lehrerinnen und Lehrer, die sagen: Wir geben nicht auf in unserem Bemühen, jedes einzelne Kind zu fördern und auf den Weg zu bringen. Wir brauchen mehr Unternehmen, die sagen: Wir geben den vielen, die es sich verdient haben, eine Chance – egal ob er oder sie nun Schulze oder Yilmaz heißt, Kinder hat oder nicht, als zu jung oder zu alt gilt.
Viele, die trotz Widrigkeiten in eine gute Zukunft gehen konnten, verdanken das Menschen, die ihnen in entscheidenden Momenten geholfen haben. Ich selbst habe Lehrer und Nachbarn gehabt, die mir geholfen haben, als meine Mutter erkrankte. Einfach so. Der Vater der SOS-Kinderdörfer, Hermann Gmeiner, hat es so ausgedrückt: “Alles Große in unserer Welt entsteht nur, weil jemand mehr tut, als er muss”.
“Wir sind das Volk”: mit diesen vier Worten haben Menschen, die zusammengehalten haben, ein ganzes Regime hinweggefegt. Jeder, der dies gerufen hat, hat das Gefühl der Ohnmacht überwunden, hat sich für zuständig erklärt und Verantwortung übernommen. Unsere Kinder sollen die Geschichte unseres Landes und den unschätzbaren Wert der Freiheit, der Verantwortung, der Gerechtigkeit verstehen.
Sie sollen erfahren, wie wichtig es ist, die Aufgaben der Zukunft gemeinsam mit anderen anzupacken. Ängste vor Fremdem, Neuem und Konkurrenz nicht abtun, aber dann umso beherzter und mutiger die Zukunft angehen. Angst ist ein schlechter Ratgeber.
Mit der Europäischen Union haben wir ein wunderbares Modell dafür geschaffen, wie Kooperation gelingen kann. “In Vielfalt geeint” ist zu Recht das europäische Motto, nach dem wir eine beispiellose Integration von Nationalstaaten geschaffen haben. Es zeigt der ganzen Welt: Wir Europäer haben aus der Geschichte gelernt! Die drängenden globalen Zukunftsfragen wie Klimaschutz, Armutsbekämpfung, Terrorabwehr und Neuordnung der Finanzmärkte müssen wir als Europäer gemeinsam angehen. Die Welt verändert sich. Aufstrebende Länder nehmen die ihnen zustehenden Plätze ein. Wir Europäer müssen an einer Weltordnung mitarbeiten, in der wir uns auch dann noch wohlfühlen, wenn unser relatives Gewicht abnimmt. Es gibt viel Kritik an Europa. Ich werde nicht aufhören, mich für Europa einzusetzen.
Für unser Land hat sich am 3. Oktober 1990 eine Hoffnung erfüllt.
Gleichzeitig haben wir an diesem 3. Oktober eine einmalige Chance zum Neuanfang bekommen. Wir haben diese Chance genutzt. Lassen Sie uns alle zusammen stolz sein auf das Erreichte. Aber wir sind nicht fertig. Es geht darum, die Freiheit zu bewahren, die Einheit immer wieder zu suchen und zu schaffen. Es geht darum, dieses Land zu einem Zuhause zu machen – für alle; sich einzusetzen für gerechte Verhältnisse – für alle. Dieses Land ist unser aller Land, ob aus Ost oder West, Nord oder Süd und egal welcher Herkunft. Hier leben wir, hier leben wir gern, hier leben wir in Frieden zusammen – hier stehen wir ein für Einigkeit und Recht und Freiheit.
Wir gehen mit Mut und Zuversicht nach vorne. Die vergangenen 20 Jahre haben gezeigt, was wir gemeinsam schaffen können.
Wir sind – im doppelten Sinne des Wortes – zusammengewachsen und zusammen gewachsen.
Am Dienstag war Premiere im Schlossparktheater in Berlin. Erzählt wurde die Geschichte von Roxane, die von mehreren Verehrern angebetet wird … unter anderem vom mutigen Degenheld und Poeten Cyrano de Bergerac (Richy Müller) und vom schönen, aber nicht so intelligenten Christian.
Es ist die Geschichte einer traurigen Liebe. Roxane liebt den schönen Christian und glaubt, er sei wunderbar poetisch. Ist er aber nicht. Denn nicht er, sondern der hässliche und langnasige Cyrano schreibt die Liebesbriefe.
Um Missverständnissen vorzubeugen, ich mag interessante und außergewöhnliche Nasen und ich möchte mitnichten ein Urteil über schön und nichtschön von Richy Müller abgeben. Aber es ist wesentlicher Bestandteil der Geschichte, dass Cyrano wegen seiner Nase als auffallend und hässlich gilt.
Da Poesie der wesentliche Ausdruck von Geist und Witz sein soll, erlebt man ein Stück in Versform. Hm, naja … eigentlich ist das für mich eher gewöhnungsbedürftig. Also z.B. Faust – Goethe möge mir verzeihen – in Leipzig war die pure Hölle.
Aber am Dienstag hat es einfach gepasst. Zumal hier nicht ein bierernst inszeniertes Liebesdrama zu sehen war. Zum Teil urkomisch und auch richtig schön romatisch war es *seufz*. Denn obwohl die Männer am Ende von spanischen Belagerern eingekesselt sind, schmuggelt Cyrano täglich 2 Briefe im Namen von Christian an die Angebetete. Ungefähr im Jahr 300 v. Interneti war das schon ein ziemlich irres Unterfangen. Aber welche Frau ist nicht begeistert, wenn ein Mann ihr täglich mehrfach auf immerwieder neue Art sagt, dass er sie liebt. Und Männer können da sehr erfinderisch sein – davon weiß nicht nur Frau v. Stein zu berichten *schmelz* :).
Nein, es war ein liebevoll inszeniertes Theaterstück mit viel Sinn für Humor. Die Morgenpost fasst die Inszenierung kurz und knapp zusammen. Die Meinung zum Bühnenbild teile ich nicht. Für mich war es genau richtig … nicht zu spartanisch, sondern mit vielen Ideen passend zu Dramatik, Romantik und Wortwitz des Stückes.
Eine ausführlichere, von der Schlossparktheater-Aufführung unabhängige Beschreibung findet sich hier.
Ich fand den Abend jedenfalls ganz wunderbar und komme bestimmt wieder nach “Halliwood”.
Carola hat heute ihre Bilder vom schönen Ostsee-Schnupper-Kurz-Urlaub per Ftp-Zugang zum Runterladen bereitgestellt. Hab schon sehnsüchtig drauf gewartet!
Zwar müssen die Fotos noch einen angemessenen Speicherort finden und werden solange in den unendlichen Weiten des Computers schlummern. Aber das hier hat schon für allgemeine Begeisterung gesorgt :).
Mit hochroten Wangen nach Erklimmung der Stufen an den Kreidefelsen und, angeblich symptomatisch, mit Handy auf der Bank. Also ich schwöre *grins*, ich hab nicht gearbeitet dabei und nicht im Internet gesurft … nein nein :). Ich wollte nur wissen, ob das Leipziger Völkerschlachtdenkmal mehr oder weniger Stufen hatte als dieser Treppenmarathon. Und es hat weniger! Ätsch! In Stubbenkammer waren es 455. Und wegen möglicher Altersheimer musste die Frage natürlich gleich geklärt werden.
Wieder ein Mensch – einer, der viel bewegt hat im Leben -, der zu früh geht. Ein Mensch, der an einer dieser beschissenen Geißeln der Menschheit scheitert.
Quer durch die Presselandschaft breiteten sich die Nachrufe aus, die versuchen ihre Rolle im “Wendeprozess” zu würdigen. Beim Lesen in der Berliner Zeitung bin ich dabei auf einen sehr schönen Artikel und auf für mich Vergessenes gestoßen:
Bärbel Bohley hatte so einen Sinn, so eine Begabung, immer ein Stückchen tiefer in die Dinge hineinzublicken als andere. Sie sah Gefahren und Gefährdungen eher – und täuschte sich fast nie. Hätte sie etwa Anfang September 1990 nicht so einen Verdacht gehabt, dass “die uns im Einigungsvertrag mit den Stasi-Akten über den Tisch ziehen”, würden die Unterlagen des Mielke-Ministeriums heute noch mit 30-jähriger Sperrfrist verschlossen im Koblenzer Bundesarchiv lagern. Mit einer nochmaligen Besetzung der Stasi-Zentrale am 4. September 1990 erzwang sie mit ihren Mitstreitern die von der ersten freigewählten Volkskammer beschlossene Öffnung der Akten.
Denn auch über mich gibt es eine solche Akte, deren Belebung 1988 gerade zu lächerlich war. Lächerlich, weil sie nicht möglicher Systemkritik sondern ausschließlich der Angst des Systems selbst Ausdruck verleiht. Diese Angst hat die Stasi damals motiviert, einen Mitschüler unter Druck zu setzen, damit dieser den Kontakt zu mir abbricht. Komplett. Warum? Ich habe einen hessischen Vater. Das und ein familiärer Besuchswunsch meiner alten Omi haben gereicht für ziemlich viel Aufmerksamkeit für ein kleines Licht wie mich, dass ausserdem noch reichlich linientreu aufgewachsen ist. Also alles in allem eine ziemlich unsinnige Aufmerksamkeit.
Wieviel Mut muss eine Bärbel Bohley in solch Generalbespitzelung aufgebracht haben! Eine Bespitzelung, der ich mir so in dem Ausmaß naiverweise nicht bewusst war. Und ich bin dankbar, dass ich das komische Gefühl in der Magengegend dazu erst kurz vor der Wende hatte.
So ein Flughafen hat seinen eigenen Rhythmus. Was dauert … das dauert eben. So wie unser Flug nach London Luton. Eine Zeitangabe zur Verspätung folgt auf die nächste. Und wir müssen warten … musikhörend, bonbonlutschend, beobachtend und nachdenkend.
Dieser Flug nach Cambridge fällt in eine Zeit der Veränderung. Deswegen fliegen auch die Gedanken und sie fliegen ziemlich kreuz und quer … mal sanft in ruhigem Fahrwasser, mal total extrem.
Insofern ist es gut, nach Cambridge zu fliegen. Ein Wochenende, das nichts mit mir selbst zu tun hat. Es geht um Martin und ein Uni-Schnuppern zum Auslandsstudium. Das bringt andere Eindrücke und Gedanken und relativiert so das eigene Selbst. Und ich würd mich so für Martin freuen!
Heut fand sich ein interessanter Artikel zur Blogkultur in der faznet: “So wahr mir Blog helfe”. In ihm beleuchtet die Autorin Katja Gelinski die Unterschiede zwischen amerikanischer und deutscher Blogkultur im Bereich von Justitia. Vorallem die unterschiedliche Art der Debattierung und Wahrheitsfindung wird als Ursache für das differente Verhalten Deutschland versus USA in solchen Blogs ausgemacht:
In den Vereinigten Staaten sei die juristische Blogkultur dadurch befördert worden, dass die Amerikaner ein stärkeres politisches Grundrechtsverständnis und die Verfassungsrechtler weniger Scheu vor der Beteiligung an politischen Kontroversen hätten.
… gebe es in den Vereinigten Staaten eine wissenschaftliche Debattenkultur, die zum Bloggen regelrecht einlade.
Der Wahrheits- und Wissenschaftsanspruch der deutschen Staatsrechtslehre und die auf Homogenität zielende Dogmatik vertrügen sich mit der Blogkultur, die ja von Opposition, Spontaneität und Zuspitzungen lebe, weniger gut.
Die Funktion der juristischen Blogkultur in den USA finde ich total spannend:
Im Streit über die Methoden der Terrorismusbekämpfung oder auch in der gegenwärtigen Debatte über Finanzmarktregulierung haben gute Verfassungsrechts-Blogs eine Art Brückenfunktion zwischen Politik und Wissenschaft übernommen: als akademische Vorhöfe, Debattier- und Experimentierfelder, auf denen amerikanische Verfassungsrechtler Thesen entwickeln, testen und auch wieder verwerfen.
Auch wenn auch dort nicht alles Gold ist, was glänzt – auch da gibt es Blogger mit Tunnelblick und “Besessene vom Rand” (Zitat Tom Goldstein) – finde ich diese Streitkultur anregend, spannend und wichtig. Sie dient der Meinungsfindung und zumindest bei mir auch der Sortierung des eigenen Geistes und der schnellen und direkten Reflektierung von Ideen und Gedanken.
Aber ich denke, wir sind einfach noch nicht so weit. Wie im Artikel der faznet erwähnt, nutzen wir noch eher traditionelle Medien und publizieren eher wissenschaftliche Artikel als uns fachlich fundiert in einem Blog auszutauschen. Das ist bei den Steuerberatern wohl ähnlich wie bei den Juristen. Man muss nur mal “Steuerblog” googlen. Da findet man den Blog einer Kanzlei, der eher einem fachliche korrekten Mandantenrundschreiben als einem Blog ähnelt. Kommentare hab ich auf den ersten und zweiten Blick keine gefunden. Der nächste gestaltet sich als Link-liste. Und noch krasser fand ich den hier, bei dem Kommentare gleich ganz deaktiviert wurden. Sehr schade. Warum? Der Blog als reines Marketinginstrument? Angst vor Meinungen? Angst, dass einer mehr weiß? Oder Angst, zuviel vom eigenen Wissen preiszugeben?
Selbst hier zum Thema Steuergerechtigkeit: ein einsamer bestimmender Autor mit Artikeln, die zum Teil wieder eher einer Publikation ähneln und vorallem Null Kommentare.
Was ist in diesen Blogs anders als z.B. im ScienceBlogs.de? Sind Wissenschafter diskussionsfreudiger und oppositionsfreudiger als Steuerberater und Juristen?
Hier in Meinsdorf ist dieses Wochenende “Ausmisten in Familie” angesagt. Draußen steht ein Container. Die Sperrmüllabfuhr ist bestellt. Eigentlich ist das ja nun kein spektakulärer Vorgang. Aber komisch und verwirrend ist es irgendwie doch.
Wann nun mistet man aus und trennt sich von Dingen, die keiner mehr braucht oder haben will?
(a) in irgendwelchen regelmäßigen Abständen. Danach freuen sich alle über den neugewonnenen Platz und die Ordnung; genießen es und leben fröhlich im sortierten gemütlichen Home weiter. Den Fall haben wir hier nicht.
(b) einer zieht aus. Hm, Tommi wohnt schon nicht mehr hier. Nur die Ummeldung muss diesen Monat noch erfolgen. Er wird von dem, was hier nach dem Ausmisten bleibt, im Prinzip nichts mitnehmen. Martin wohnt in Potsdam. Hier ist nicht mehr sein Zuhause; nur das Archiv seiner alten Sachen. Ziehe ich jetzt aus? Nein, noch nicht; auch wenn ich hier kaum noch bin. Also haben wir den Fall hier auch nicht.
(c) alle lösen aufgrund einer Trennung einen Haushalt auf. Den Fall haben wir auch nicht. Denn keiner zieht weg und keiner bleibt wirklich da. Und der Haushalt wird auch noch nicht aufgelöst. Es ist alles da zum Wohnen.
Wir dagegen haben den Fall, dass das Haus vermietet oder verkauft werden soll, sich meine und Martin’s Sachen noch hier befinden, ohne dass wir beide hier wirklich sind und wir ausmisten, ohne das genaue Ziel zu kennen.
Und das bewirkt das komische Gefühl. Denn was mache ich mit Dingen aus den dem Sperrmüll geweihten Schränken und Regalen? Stelle ich sie in andere Schränke und Regale hier in Meinsdorf? Lasse ich sie hier in den Kisten, in denen sie jetzt sind (wenn ja, für wie lange?)? Nehme ich sie mit nach Berlin? Es geht im wesentlichen auch darum, dass immer auch sogenannte Lieblingssachen dabei sind … ob Bücher oder CD’s oder anderes. Denn Lieblingssachen sollten da sein, wo man selber hauptsächlich ist.
Aber eines habe ich in diesen Tagen festgestellt: dieses verwirrende Gefühl weicht schleichend einem Gefühl der Befreiung. Wunderbar! Das Haus und sein Inhalt am Beginn einer Entschlackungskur. Mit jedem Teil, von dem wir meinten, uns nie trennen zu können und das wir jetzt in den großen Container verfrachten – nach der kritischen Frage nach seinem Sinn und Zweck – zieht Stück für Stück Ruhe, Frieden und Wohlgefühl in dieses Haus ein. Ich muss sagen, ich hatte unterschätzt, was eine solche Entschlackung ausmacht.
Manchmal *schmunzel* entdeckt man dabei schon längst Vergessenes wie ein rosa Steifbaerchen. Ich will gar nicht sagen, wo er war. Aber die Waschmaschine hat zur Baerchenwiederbelebung geführt; inkl. der Wiederentdeckung der rosa Farbe. Warum eigentlich rosa? Aber egal: während Heerscharen von Plüschtieren in den letzten Tagen in die ewigen Jagdgründe eingegangen sind, darf er natürlich bleiben
Und dank der Zeit, die inzwischen seit dem eigentlichen Trennungsschmerz auf allen Seiten vergangen ist, ging alles leicht und ohne zusätzlichen Kummer. Wir waren ein tolles Team dieses Wochenende. Danke Tommi! Und danke Martin, dass Du hier warst und mitentschieden hast trotz Deiner ekligen Erkältung mit Fieber :-* Ich bin so froh, dass es Dir wieder besser geht!
Heute war mein zweiter Versuch, im 50-m-Becken hier im Bad eine für’s Schwimmen vernünftige Zeit zu finden. Ergebnis: gleich ganz zeitig 9:00 Uhr ist eine Möglichkeit. Man kann ruhig vor 9:00 Uhr da sein, denn Anstehen muss man sowieso … mind. 5-10 min.. Was dann folgt, ist leichtes Slalomschwimmen. Aber davor ist man in einer Halle ja auch nicht gefeit. Aber meist, so heute auch, trifft man im Wasser jemand, der ähnlich nur-schwimmen will. Und dank den Mädels war’s ein schönes Tempo … auch wenn ich natürlich nach der langen Schwimmabstinenz noch mächtig Schwierigkeiten hab mitzuhalten und meinen Rhythmus wieder zu finden. Aber ich merke: es wird. Und es macht zufrieden und glücklich