Hier ein Hinweis auf einen anderen Artikel: Tobi hat in seinem Blog eine interessante Diskussion auf den Weg gebracht – zu einem Zeitabschnitt Musik-Geschichte, der auch meine Jugendjahre mit beeinflusst hat. Manche Lieder und Entwicklungen sind, wie auch Carola letztens festgestellt hat, trotz “Anwesenheit” an uns vorbeigegangen. Wenn die Blog-Kommentierung bei Tobi hilft, einige der vorhanden Lücken zu schließen … fein!
Sie beginnen nicht so super und steigern sich im Laufe der Stunden und werden immer besser.
Nach einer gruseligen Nacht nebst gruseligem Morgen bin ich ziemlich spät (blöd) Richtung Dessau gefahren … vorbei an den vom Hochwasser überschwemmten Flutwiesen zwischen Roßlau und Dessau. Es war grau und nix an Sonne schien und es nieselte. Aber nichts ist so furchtbar, dass nicht auch Schönes damit verbunden ist. Da schwammen 3 Schwäne neben Straße und Damm mir entgegen … hübsch ordentlich hintereinander … auf dem Hochwasser, zwischen den Baumkronen und damit auf der Elbe quasi “stromaufwärts” … sehr surreal und irgendwie sehr süß. Vollbremsung und Fotografieren war leider nicht drin; es sei denn: unter Neuformung des Autos von hinten.
Nach einigen netten Stunden mündete der gar nicht schön begonnene Tag in einen Nachmittag und Abend mit einer Freundin in Leipzig. RICHTIG NETT war´s. Een Schälschen Heesen dringn (Lieber Denis, danke! Deine Empfehlung zum Kaffeehaus Riquet war supi!), dann bummeln gehen durch Leipzig´s Innenstadt und dann noch ein Abendessen im “Barfusz”, das uns in Ambiente und Küche total überrascht und begeistert hat – ist übrigens ein Lokal auch für Raucher und man erahnt von draußen nicht, wie groß und toll das ist! Es waren angenehme und erholsame Stunden in Leipzig mit viel Zeit für nette Gespräche über Gott und die Welt. Gerne mehr davon!!!
… eine anstrengende Beschäftigung. Zuerst die Vorauswahl im Internet, dann die Live-Termine. Zwischendrin kann man da schon mal die Lust und den Optimismus verlieren. Irgendwas ist immer bzw. irgendwas ist immer nicht. Entsprechend hatte ich schon die Befürchtung, vor einer ewigen Odyssee des Wohnungs-Site-Seeings zu stehen. Aber mein erster Gedanke war der richtige … Wohnungssuche ist wie Schuhekaufen: Sehen, fühlen und liebhaben. Ich stand in einer Wohnung und war zu Hause. Nun mal sehn …
Der erste und der zweite Tag des neuen Jahres galt einer Fahrt mit Carola nach Bad Saarow ins Esplanade. Ziemlich spontan gebucht, was Wellnessmöglichkeiten minimierte, aber nicht unmöglich machte. 1,5 Tage jenseits aller Stressigkeiten und Frustpotentiale … einfach nur Zeit für sich selbst … so mit Sauna und einem nächtlichen Spziergang entlang des gefrorenen Scharmützelsees, Tage mit Massage und Cremepackungen …
Das war ein schöner Jahresbeginn bei solch Wohlfühltagen.
Abends hat uns der Mann am Klavier die Stunden an der Bar verschönt. Und da wir natürlich auch “fast nichts” getrunken haben … zumindest scheinbar nicht mehr, als unsere Physis verkraften konnte , hatten wir heute morgen auch nichts in Richtung “Kopf” und konnten uns quietschvergnügt am Frühstück einfinden.
“Eine Landkarte der Zeit” von Robert Levine ist ein Buch, dass sich damit beschäftigt, wie verschiedene Kulturen mit der Resource Zeit umgehen … in dem Bewusstsein, “dass das Zeitgefühl eines Kulturkreises tiefe Konsequenzen für das körperliche, seelische und soziale Wohlbefinden seiner Menschen hat.”
Und genau dieser Gedanke ist es, warum mich das Thema beschäftigt.
Um nun den Blick zu schärfen, was genau beeinflusst den Umgang mit der Zeit und das Empfinden in ihr und durch sie, lese ich dieses Buch. Denn Levine´s Frage: “Wieviel Kontrolle habe ich über meine Zeit?” kitzelt nach Antworten, bei denen man sich leicht etwas vormachen kann. Und im Sinne einer freien Zeiteinteilung:
“Die Qualität eines Tages zu beeinflussen, das ist die höchste aller Künste.” Thoreau
Um das unterschiedliche Zeitempfinden der einzelnen Kulturen deutlich zu machen, erzählt der Autor zu Beginn von einem längeren Aufenthalt in Niteroi in Brasilien. Die Beschreibung der logisch auftretenden Konflikte im unterschiedlichen Empfinden zu Zeit und Pünktlichkeit kann man mit viel Schmunzeln lesen; mündend in die Aussage “… verlor ich allmählich die Übersicht darüber, wer zu früh und wer zu spät kam – und das war, wie ich mit der Zeit merkte, genau die Lektion, die ich zu lernen hatte.”
Die kulturellen Regeln der Pünktlichkeit sind “untrennbar mit kulturellen Werten verknüpft”. Die Regeln der sozialen Zeit hat der Anthropologe Edward Hall als “stumme Sprache” bezeichnet, so Levine. Jedes Kind lernt sie automatisch und doch kann man sie nirgendwo nachlesen.
Levine ist Sozialpsychologen und gründet seine Arbeit auf der Annahme, “dass Orte wie Menschen eine eigene Persönlichkeit haben”. Er zitiert den Soziologen A.Strauss: “Den ganzen Komplex des urbanen Lebens kann man sich eher als Person vorstellen denn als spezifischen Ort, und die Stadt kann eine ganz eigene Persönlichkeit besitzen.”
Wie wahr, wie wahr. Leipzig, London, Berlin … wobei “mein” Berlin auch ganz bestimmte Teile der Stadt sind … offenbar welche, die eine insich homogene Persönlichkeit bilden, bei der ich mich wohlfühle.
Und Orte, wo man diese Persönlichkeit nicht spüren kann, da kriecht die emotionale Leere der Stadt bis tief in mein Innerstes.
Doch zurück zu Levine’s Untersuchungen. Diese “… vergleichen das Lebenstempo an unterschiedlichen Orten und reichen von weiter zurückliegenden Experimenten in Brasilien und den Vereinigten Staaten bis zu einem Vergleich von 31 verschiedenen Ländern in den letzten Jahren.” Wobei er gleichzeitig kritische Anmerkungen zur Irreführung und Fehlverwendung daraus entstehender Rang-Listen macht.
Also … ich bin am Anfang des Buches und ich bin noch immer sehr gespannt auf die Auswertung seiner Studien. Mein Bauch meint ja, dass es dem Menschen am besten geht, wenn er es schafft, sein Leben an einem Ort zu verbringen, dessen Lebenstempo seinem eigenen inneren Rhythmus entspricht. Aber den eigenen Lebensrhythmus erstmal richtig zu erkennen und wichtiges von unwichtigem zu unterscheiden … das ist wohl eine echte Herausforderung.
Und so hoffe ich, Levine kann bewusst machen, welche Ursachen punkto Zeit welche Wirkungen nach sich ziehen.
Aber am besten spricht Levine für sich selbst:
“Dieses Buch ist nicht als eine Abhandlung über den “überarbeiteten Amerikaner” oder “die Zeitschraube” oder die “zwanghafte Eile” gedacht… Und es soll gewiss auch kein Ratgeber für das Zeitmanagement … sein. … Ich habe umfassenderes Interesse. In Eine Landkarte der Zeit möchte ich den Reichtum und die Komplexität von Ansichten über Zeit in Kulturen und Städten und bei Menschen auf der ganzen Welt zu begreifen suchen. Da die Zeit der Eckpfeiler des sozialen Lebens ist, bietet die Untersuchung der Zeitvorstellungen eines Volkes einen wertvollen Zugang zur Psyche einer Kultur, auch unserer eigenen.”
“Wenn ich meine Sache gut gemacht habe, wird dieses Buch auf unser eigenes Lebenstempo ein ebenso helles Licht werfen wie auf das der anderen. Wie gehen wir mit unserer Zeit um? Wie wirkt sich das auf unsere Städte aus? Auf unsere Beziehungen? Auf unseren Körper und unsere Seele? Gibt es Entscheidungen, die wir getroffen haben, ohne sie uns bewusst zu machen? Gibt es alternative Tempi, die uns mehr liegen? Vielleicht lassen wir uns dazu anregen … zurückzuschauen und zu sehen, was dort wahr ist und können so, auf unsere eigene Weise zeitlichen Reichtum erlangen.”
Ich war wiedermal im Tal der Ahnungslosen … das Musikinstrument “Gambe” kannte ich noch nicht. Carola hat die Bildungslücke noch vor Silvester gefüllt. Hab ich ein Glück!
Der Cellist – oh shit der … äh … Gambist(?) – ist auch nicht unspannend … Jordi Savall … Toll!!!
Hätte ich am Montagabend vor Weihnachten Zeit gehabt, dann hätte ich einen Artikel geschrieben mit dem Tenor: die 50. KW – die verrückteste, anstrengendste und zugleich schönste Woche des Jahres 2010. Extrem viel Schönes hab ich in dieser Woche erlebt und viel Gutes ist mir widerfahren. Alles geballt auf einen Haufen in einer Woche. Und in mancher Hinsicht war es mehr und besser als im ganzen Jahr.
Aber der alte Spruch “man soll den Tag nicht vor dem Abend loben” hat eben doch seine Berechtigung. Was nicht heißt, die 50. war nicht wunderbar. Aber das Kontrastprogramm gleich im Abschluss war heftig … man könnte fast sagen: 2010 halt.
Das Jahr 2010 war einerseits überhaupt nicht mein Jahr. Andererseits aber doch.
Auf was ich gerne verzichtet hätte:
– Urlaubpläne und Buchungen voller Vorfreude, die nicht stattfanden.
(Das Jahr begann mit einem bezahlten und kurzfristig abgesagten Urlaub nach London. Sooo viel Vorfreude auf die Silvesterlichter dieser schönen Stadt. Alles futsch, aus, vorbei. Ich bin dann am 01.01.2010 doch noch gefahren. Alleine. Was richtig war. Und sicher waren die Tage dann dort auch irgendwie schön, zumal das Wetter in London besser und wärmer war als in Deutschland und zumal Martin mit einem Freund auch dort war. Aber es lag mir alles schwer im Magen. Aber nicht genug mit diesem Beginn … in 2010 war eben alles immernoch steigerungsfähig. Ein paar Tage in der Guitarrenstadt Granada wurden im Spätherbst ebenfalls gecancelt. Da allerdings hatte ich dann nicht mehr den Nerv allein oder in anderer Begleitung zu fahren. )
– der Weggang zweier Arbeitnehmer und die deswegen erforderlichen Neueinstellungen (Zugänge sind immer schön. Eine Kündigung ist es für mich nicht, egal wer sie ausspricht.)
– Bürogezicke erster Klasse (Wenn Menschen ihre eigenen Unzufriedenheiten so ausleben, dass sie andere als verbalen und emotionalen Sandsack benutzen, dann belastet mich das. Ich finde das privat schon unter aller Sau. Beruflich ist es zudem hochgradig unprofessionell.)
– die Begleitumstände des Arbeitsurlaubes in Bansin
– die widersprüchlichste Beziehung und Trennung, die ich je hatte und die mit dieser Änderung der Verhältnisse unvermutet einhergegangenen verbalen Extremausschläge … davor, dabei und danach (Es ist einerseits mittlerweile viel besser :), andererseits gestaltet sich das natürlich auch heute noch nicht ganz krisenfest, weil wir beide unter Trennung im Grunde etwas völlig anderes verstehen.)
– der plötzliche und viel zu frühe Tod eines lieben Freundes (Du fehlst so sehr!)
– dass 30% des Jahresumsatzes in den letzten beiden Monaten bewältigt wurden (In der Woche vor Weihnachten hatte ich offenbar eine eigene physische Grenze überschritten. Das hatte ich so auch noch nie. Ich war noch nie an einem solchen heftigen Ich-kann-nicht-mehr-Punkt. Diese Woche war er erreicht. Ich musste wirklich höllisch aufpassen, was ich sage und ob ich auch sage, was ich sagen will. Brain platt.)
– das Hin- und Gezerre zur Büro-EDV-Investition (Unklarheiten im Personalbestand sind da megahinderlich und ausbremsend.)
– Wochen und Tage quasi zu dritt
– eindeutig zu viel und zulange Schnee
– die 51.KW vor Weihnachten
Die schönen Dinge:
– die Aida-Reise mit T.
– zu Hause in Zehlendorf (Es ist Tobi´s Verdienst, mich in den Monaten unserer Beziehung geerdet und zur Ruhe und zu mir gebracht zu haben. Und, dass er mir dieses Lebensgefühl in Berlin-Zehlendorf vermitteln konnte, das sich anfühlt, als sei es schon immer meins gewesen. Viele große und kleine Dinge haben in unseren Beziehungsmonaten mein Leben verändert. Deswegen: ich hatte und habe das Gefühl, angekommen zu sein. Zu Hause halt. Schritt für Schritt habe ich gefühlt, man muss nicht wild in Aktion sein, um sich gut zu fühlen. Das was ich brauche, ist die Vielfalt der Möglichkeiten um mich herum – genau an diesem Ort, nirgendwo sonst.)
– dass wir auf wundersame Weise jeweils umgehenden Personalersatz hatten, trotz Fachkräftemangel.
– dass bestimmte Freunde und Mandanten fest und unerschütterlich zu mir stehen und auf diese Weise viel zurückgeben … was nicht selbstverständlich ist
– die Wiederbelebung der Freundschaft aus Teenytagen zu meiner besten Schulfreundin (Wir haben dieses Jahr in Berlin den Anfang gemacht, Unstimmigkeiten ausgeräumt und uns endlich mal wiedergesehen.) … bin ich froh darüber!
– die Intensivierung der Freundschaft zu Yvonne (Danke für alles!)
– Überlebens- und Trostpäckchen von Carola (Da ist es glatt schön, dass es einem beschissen geht. *schmunzel* Danke!)
– Martins Weg im Studium und die Zusage aus England für 2011 … man kann als Mutti ja sooo stolz sein
– das Entstehen dieses Blogs und die ersten Schritte von Carola unter saarow.net ( … und schön, dass wir uns dieses Jahr noch sehen *freu*) (Es ist eine interessante Erkenntnis des Jahres 2010, dass es gut tut – ja mir offenbar ein Bedürfnis ist – , Gedanken schriftlich zu sortieren … und dass man seinen Sammelleidenschaften durch bloggen wunderbar fröhnen kann.)
– die Hausausmistung in Meinsdorf und der Start zum Verkauf
– die Freundschaft zu Denis
– dass nach einem Beziehungsflächenbrand auch wieder Blümchen wachsen können
– die 50.KW
und ich.
Ja gerade mich selbst hab ich dieses Jahr in vielerlei Hinsicht besser kennengelernt.
Irgendwo stand es mal:
” Die Trennung als Initialzündung.
Der schwächste Moment als Ausgangspunkt,
seine eigene Stärke erst überhaupt zu entdecken;
der einsamste Augenblick als Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit sich selbst.”
Eine gruselige Erfahrung und trotzdem im Ergebnis eine wichtige.
Auch deswegen, weil ich mich von mindestens 2 Seiten bis Sommer diesen Jahres “Vorwürfen” ausgesetzt sah, über die ich bis zur Selbstzerfleischung ernsthaft nachgedacht habe. Es waren Eigenschaften, wie “unsensibel” und “egoistisch”, die ich angeblich hatte und es war lt. Aussage nicht zu erkennen, was und wen ich schätze und, dass jemand von mir geachtet oder geliebt wird. Ales was, was mir nicht egal wäre.
Am Ende diesen Jahres kann ich dazu nur sagen: Wer nicht sehen will, was ich für ihn tue, der wird es auch nicht sehen. Ich habe bestimmt etliche schlechte Eigenschaften … aber die sind es nicht. Und es war, ist und bleibt eigentlich eine Beleidigung, mir sowas überhelfen zu wollen. Und wer sein Bild über mich solange zurechtbiegt, bis es in sein Weltbild passt, der ist es vielleicht schlicht nicht wert, dass ich naiv und selbstlos alles tue und auf mich nehme, was dazu beiträgt, ihn oder sie glücklich oder zufrieden zu machen. Sorry.
Wobei ich auch sagen muss … es gab in 2010 auch zumindest einen Menschen, der seine mir unverständlichen Ansichten über mich inzwischen zur Disposition gestellt hat. Es hat lange gedauert, aber es tut gut, wenn andere doch irgendwann sehen können, wer vor ihnen steht.
Es war eine Lehre aus dem Jahr 2010, dass es Menschen gibt, denen ich nicht gewachsen bin, an denen ich schlicht im Inneren zerbrechen kann, weil ich naiv immer an das Gute im Menschen glaube und weil ihr Wille und ihr Ego und ihre Angst vor anderem stärker sind, als mein Selbstschutz. Aber ich weiß jetzt, ich kann mich wehren und abgrenzen.
Und es war die zweite Lehre aus 2010, dass ich es werde aushalten müssen, wenn Menschen mich anders sehen als ich bin. Und im Grunde verpassen sie in ihrer Verblendung die besten Eigenschaften von mir.
Allen Freunden … es ist schön und wunderbar, das Leben mit Euch in diesem Jahr teilen zu dürfen. Und ich freu mich auf ein Jahr 2011 mit Euch. Ich hoffe, ich kann Euch bei all dem, was Ihr mir gebt, auch viel zurückgeben. Und solltete Ihr irgendwann mal das Gefühl haben, an unserer Freundschaft zweifeln zu müssen, dann sprecht mich an. Machmal ist man in seinen eigenen Sorgen nur gefangen, so dass man andere, die einem lieb und teuer sind, nicht mehr wahrnehmen kann; was man im Grunde aber nicht will. Denn das Wort “Freund” ist kein Sammelbegriff und daher wart und seit Ihr mir immer besonders wichtig. Und in allem,was mir möglich ist, werde ich für Euch da sein!
Ich denke an Euch und wünsche Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Jetzt ist Finito für heute … 0:21 Uhr … im Prinzip Normalzeit nach meiner neuen Zeitrechnung. Und ich werd mich jetzt fröhlich ins Bettchen schleichen … und vorher noch Joachim R. erwähnen mit seinen Kindergebetchen … *grins* …
Kindergebetchen
Erstes
Lieber Gott, ich liege
Im Bett. Ich weiß, ich wiege
Seit gestern fünfunddreißig Pfund.
Halte Pa und Ma gesund.
Ich bin ein armes Zwiebelchen,
Nimm mir das nicht übelchen.
Zweites
Lieber Gott, recht gute Nacht,
Ich hab noch schnell Pipi gemacht,
Damit ich von dir träume.
Ich stelle mir den Himmel vor
Wie hinterm Brandenburger Tor
Die Lindenbäume.
Nimm meine Worte freundlich hin,
Weil ich schon so erwachsen bin.
Drittes
Lieber Gott mit Christussohn,
Ach schenk mir doch ein Grammophon.
Ich bin ein ungezognes Kind,
Weil meine Eltern Säufer sind.
Verzeih mir, daß ich gähne.
Beschütze mich in der Not,
Mach meine Eltern noch nicht tot
Und schenk der Oma Zähne.
Trotz Schnee und Wetterwarnungen war ich zu einem zweiten Konzert in dieser Woche verabredet. Zu Keimzeit. Und zwar zum Jahresabschlusskonzert der Tour “Land in Sicht”.
Mein letztes Konzert mit ihnen fand in Dessau in der Marienkirche statt. Das war auch nicht schlecht, aber irgendwie voll trüber Stimmung. Keimzeit war eben nicht so fröhlich, sondern eher tiefsinnig melancholisch. Aus diesem Grund trat ich mit gemischten Gefühlen die Fahrt nach Berlin an (vom Wetterfeeling ganz zu schweigen). Das Konzert am Donnerstag fand in der Kulturbrauerei – und zwar im Kesselhaus – statt. Ich war schon in der Kulturbrauerei; im Kesselhaus jedoch noch nicht. Und ich muss sagen: ja, fetzt. Cooles Ambiente, nicht zu groß und nicht zu klein und gut geeignet zum Mithopsen.
Was sagt das Kesselhaus zum Konzert? …
“Keimzeit werden auf den Konzerten mit Nachdruck spüren lassen, wo dieses Album entstand: Im mediterranen Süden Spaniens nämlich, wo man einen sehr entspannten Umgang miteinander pflegt und lockerer Groove in den Bewegungen und Beziehungen steckt. Sie werden es ordentlich krachen lassen…”
Ja … so war es. Keimzeit locker, flockig, leicht. Richtig gut. Mit Einbetten der neuen Stücke aus der CD ist übrigens auch nix. Aber guckt zu Youtube … da findet ihr welche von den Neuaufnahmen 2010:
Ich hab noch einige Videos – aufgenommen mit dem IPhone. Wider Erwarten eine erstaunliche Hörqualität. Nur … zum mal-eben-so-hochladen sind sie leider zu groß.
Ich kann es nur immer wieder sagen …
Nils Landgren ist immer ein Konzertticket wert!
Seine CD´s sind schon toll.
Aber live ist das alles noch viel besser.
Halt einer, der es kann und der Spaß am Musikmachen hat.
Großen Spaß offenbar!
Wir waren zu einem Event der Tour “Christmas with my Friends” in der Berliner Passionskirche. Und ja, er hat uns mitgerissen. Weihnachtliche Musik auf “besonders”. Hier mal ein Song aus dem Repertoire:
Nicht unerwähnt möchte ich auch die anderen Musiker (die Friends) lassen.
Eva Kruse am Kontrabass kannte ich vom Kurt-Weill-Fest auch schon. Sie hüpft an ihrem Musikintrument rum, als würde sie flockig und leicht eine Feder bespielen. Ihr zuzusehen, ist schon die reine Freude … vom musikalischen Erlebnis ganz zu schweigen.
Aber es waren auch einige tolle Stimmen dabei.
Mir haben insbesondere Ida Sand – die “Frau am Klavier” – und Sharon Dyall eine Gänsehaut verursacht. Sharon Dyall hat eine tolle Gospelstimme. “Was wäre Weihnachten ohne Gospel?” – und schon kam die unerwartete Einlage … wie recht sie hat. Leider bin ich bei Youtube fast verstorben. Ich hab echt auf Anhieb nichts gefunden, was ihre Stimme annähernd wiedergibt. Nur kalter Kaffee gegen das vom Montag.
Zu Ida Sand findet sich im www z.B. dieser Artikel.
Es ist auch bei ihr gar nicht so einfach, was bei Youtube zu finden, dass ihre gestrige Stimmgewalt wiedergibt. Selbst das hier ist, finde ich, noch zart und lieb gegen das Liveerlebnis vom Montag:
Es war, wie gesagt, seeehr schön. Zum Umfallen schön. *grins* Weihnachtsmusik … musikalisch und stimmlich einfach nur toll und manchmal anders als üblich. Und ich fand Nils live wie immer noch besser als aus der Konserve.
Man entdeckt so Dinge auf seinem IPhone … Es ist eine Platte von den Puhdys (P. and Friends sozusagen). Da war es mit drauf: Annabell von Holger Biege. Wer es noch nicht weiß, den finde ich sowieso genial. Die Songs von damals – als ich noch klein war *g* – höre ich noch immer wieder gerne.
Scheinbar geht das auch noch anderen so … das Lied ist gesperrt “in deinem Land nicht verfügbar” … Youtube-Einbettung nicht möglich. So ein Mist. Und sooooooooo schade. Sony hat Amiga gekauft. *schmoll* Ich hab es übrigens käuflich bei Itunes erworben. Es ist ein Liebeslied, was total romatisch und gleichzeitig fröhlich ist, weil eben Holger Biege einfach rüberbringen kann, dass er fröhlich ist – weil halt Annabell da ist. Genial!
Einen Miniausschnitt hört ihr hier. Viiiel zu wenig!
Das einzige, was ich Euch noch bieten kann, ist der Text:
Annabell,
du willst doch nicht gehen,
jetzt mitten in der Nacht?
Leg dich hin, sonst hätt’ ich dich
doch schon längst nach Haus’ gebracht.
Laß uns einfach ruhig liegen,
die Wärme spüren.
Und, wenn du mich fragst, würde ich mich
niemals mehr von deiner Seite rühren.
Annabell,
und fühl’ mein Herz klopfen
unter deiner Hand.
Leg dich hin, und rede nicht,
ich hab’ dich doch schon längst erkannt.
Was ist so eine schnelle Liebe,
die wärmt doch nicht?!
Kommen, Gehen, wie ein Fremder,
solche Liebe hat doch kein Gesicht.
Annabell,
ich hol’ noch ein Glas
und das trinken wir noch aus.
Leg dich hin, ganz nah an mich ran,
draußen geht der Wind ums Haus.
Und wenn wir morgen früh erwachen,
kannst du sicher sein,
werden wir uns wiederfinden,
und ich werde wieder bei dir sein.
Und wenn wir morgen früh erwachen,
kannst du sicher sein,
werden wir uns wiederfinden,
und ich werde wieder bei dir sein.
Ansonsten … setzt Euch zu mir ins Auto und hört einfach mit
Jaja, es ist bald soweit. Ich darf eigentlich gar nicht dran denken. Im Büro ist einfach noch viel zu viel zu tun. Aber es sind alle fleißig. Mehr kann man nicht machen derzeit.
Weihnachten – speziell Heiligabend – ist für mich ein Fest der Familie. Es gibt da solch liebgewordene Traditionen wie die selbstgebackene Nachmittagsstolle (Oma bäckt), Oma´s toller Kartoffelsalat (am 24. schmeckt der irgendwie anders) und die Bescherung mit den Ich-reiß-das-Papier-von-den-Geschenken-ab-Orgien. Dazu nette Musi und Kerzenschein und … wenn man noch alle begeistern kann: 1 bis n Runden Rommé.
Die letzten 2 Jahre war dieser Tag nicht ganz so wie sonst … aufgrund der sich verändernden Familienverhältnisse. Wobei ich das letzte schon wesentlich schöner fand, als das vorletzte. Das vorletzte war übelst stressig (ein echter Fall von selber schuld).
Tja … aber wenn etwas verlässlich und konstant zu sein scheint, dann die Veränderung. Und so sind die privaten Konstellationen schon wieder anders als gedacht. Im Grunde ist das ätzend. Und mit Sicherheit ist dieser stetige Change nix zum Wohlfühlen. Auch muss ich an dieser Stelle sagen, hätte ich kein Kind – auch wenn es schon ein großes ist – dann würde Weihnachten ausfallen. Aber so ist da ein Stück Familie, das den Heiligabend doch noch als solchen rechtfertigt.
Trotzdem wird er dieses Jahr ohne liebgewordene Traditionen bewusst anders verlaufen. Sollte es mal wieder eine Familie geben, kehre ich gern zum Familien-Chill zurück. Sonst wohl eher nicht.
Was z.B. geblieben ist, ist der Weihnachtsbaum. Je größer das Kind, umso kleiner ist er geworden. Aber süß ist er. Und (da war es wieder) … kein gemeinsames Schmücken am Heiligabend. Nein. Nicht ich dieses Jahr. Also hab ich den Job das erste mal in meinem Leben abgegeben. Das Resultat ist echt nett, muss ich sagen. Er steht jetzt erstmal zur allgemeinen Bewunderung in meinem Büro, eh er dann Weihnachten umzieht. Da können wir uns ja ein bissel aneinander gewöhnen bis dahin – Bäumchen und meinereiner.