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	<title>nora´s blog &#187; Hörbuch</title>
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	<description>panta rhei - alles fließt</description>
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		<title>hörbuchFM</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Jan 2011 11:32:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Nora]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[art & culture]]></category>
		<category><![CDATA[daily]]></category>
		<category><![CDATA[literature]]></category>
		<category><![CDATA[Hörbuch]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Durch Carola gibt es bei mir seit diesem Jahr eine Erweiterung im Spektrum der Radiosender, hörbuchFM. Man findet hier eine ganze Menge zu Hörbuchbesprechungen und auch Hörbücher in Auszügen. Ich bin immerwieder begeistert!</p>
<p>Eben wurde gelesen: &#8220;Boccaccio, Die schönsten Liebesgeschichten aus dem Decamerone&#8221; &#8230; es ist die dritte Geschichte vom dritten Tag.  Was soll ich sagen &#8230; <span style="color:#777"> . . . &#8594; Read More: <a href="http://blog.noerchen.com/?p=799">hörbuchFM</a></span>]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Durch Carola gibt es bei mir seit diesem Jahr eine Erweiterung im Spektrum der Radiosender, <a title="hörbuchfm" href="http://www.hoerbuchfm.de/programm/" target="_blank">hörbuchFM</a>. Man findet hier eine ganze Menge zu Hörbuchbesprechungen und auch Hörbücher in Auszügen. Ich bin immerwieder begeistert!</p>
<p>Eben wurde gelesen: &#8220;Boccaccio, Die schönsten Liebesgeschichten aus dem Decamerone&#8221; &#8230; es ist die dritte Geschichte vom dritten Tag.  Was soll ich sagen &#8230; *frech-grins* &#8230; wozu ein Mönch gut sein kann. <img src="http://blog.noerchen.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="wp-smiley" /> Ich werd wohl über die Rolle der Kirche im Allgemeinen und Besonderen nochmal nachdenken müssen. <img src="http://blog.noerchen.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif" alt=";)" class="wp-smiley" /></p>
<p>Und richtig gut gelesen war´s! Der Schalk in der Stimme war nicht zu überhören. <img src="http://blog.noerchen.com/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif" alt=":)" class="wp-smiley" /></p>
<blockquote><p>Als Pampinea geendet hatte, lobten fast alle  die Kühnheit und Vorsicht des Stallknechts wie auch die Weisheit des  Königs, bis die Königin, zu Filomena gewandt, ihr fortzufahren befahl.  Filomena gehorchte und begann mit Anmut also zu reden:</p>
<p>Ich denke euch einen Streich zu erzählen, den  eine schöne Frau einem gestrengen Mönch wirklich gespielt hat und der  einen Laien um so mehr ergötzen muß, weil diese Pfaffen, die meistens  herzlich albern und ungeschliffen sind, alles besser verstehen und  machen wollen als andere Leute, während sie doch viel geringer zu achten  sind als jene, da sie sich aus Niedrigkeit ihrer Gesinnung nicht  getrauen, wie andere Menschen auf eigenen Beinen durchs Leben zu gehen,  sondern den Schweinen gleich dahin flüchten, wo sie ohne Arbeit zu essen  bekomnen. Ich erzähle euch, ihr liebenswürdigen Mädchen, diese  Geschichte nicht nur, weil die Reihe mich eben trifft, sondern auch um  euch zu zeigen, wie selbst die Pfaffen, zu denen wir in übermäßiger  Leichtgläubigkeit allzu großes Vertrauen haben, von unsereins,  geschweige denn von Männern, mit einiger Schlauheit gehörig angeführt  werden können und werden.</p>
<p>Vor einigen Jahren lebte in unserer Stadt, die an  Trug reicher ist als an Güte und Redlichkeit, eine Edeldame, welche die  Natur nicht minder als irgendeine andere mit Schönheit geschmückt und  mit hohem Sinn und feinem Verstand begabt hatte. Ich verschweige ihren  mir wohlbekannten Namen, wie auch die übrigen, die in diese Geschichte  verflochten sind: denn noch sind mehrere am Leben, die sich vor Zorn  darüber nicht würden zu lassen wissen, während der Vorfall doch nur  belacht zu werden verdient. Diese Dame, die ihrer vornehmen Abkunft  ungeachtet an einen Wollweber verheiratet war, konnte nie verwinden, wie  kränkend es für sie war, einen Handwerker zum Manne zu haben. Denn ein  Bürgerlicher schien ihr [224] immer, wie reich er auch sein mochte, einer adeligen Frau unwürdig. Die  niedrige Beschäftigung ihres Mannes, der es mit all seinem Reichtum nie  weiter brachte, als sich aufs Sortieren, auf Einschlag und Aufzug zu  verstehen oder sich mit den Spinnerinnen um die Gebinde zu zanken,  bestärkte sie in ihrem Vorsatz, seinen Umarmungen, soweit es sich tun  ließe, aus dem Wege zu gehen, wofür sie sich dann bei jemandem zu  entschädigen gedachte, der ihr würdiger als der Wollweber schiene.</p>
<p><strong>Wirklich verliebte sie sich so in einen ganz  wackeren Edelmann von mittleren Jahren, daß sie nachts nicht schlafen  konnte, wenn sie ihn den Tag über nicht gesehen hatte. Der gute Mann  aber, der nichts davon ahnte, bekümmerte sich nicht um sie, und sie war  zu vorsichtig, um durch weibliche Botschafter oder Briefe sich etwaigen  Gefahren aussetzen zu wollen. Dagegen hatte sie gemerkt, daß er häufig  mit einem Pfaffen verkehrte, der, so einfältig und ungebildet er war,  wegen seines strengen Lebens doch bei den meisten für einen ganz  besonderen Mönch galt.</strong></p>
<p><strong>Die Dame war der Meinung, dieser Geistliche könne  zwischen ihr und ihrem Geliebten am besten den Mittelsmann abgeben.</strong> Deshalb ging sie, nachdem sie mit sich selbst über die Art ihres  Benehmens einig geworden war, in die Kirche, zu welcher er gehörte, ließ  ihn rufen und sagte, sie wünsche, wenn es ihm gefällig sei, bei ihm zu  beichten. Der Pfaffe zeigte sich sogleich bereit; denn er sah ihr an,  sie müsse eine Frau von Stande sein. Nach der Beichte sagte die Dame:  »Ehrwürdiger Herr, noch muß ich Euch um Rat und Hilfe in einer  Angelegenheit bitten, über die ich Euch unterrichten will. Ihr kennt aus  meiner eigenen Beichte meine Familie und meinen Mann. Er liebt mich  mehr als sein Leben, und kaum äußere ich irgendeinen Wunsch, so erfüllt  er ihn auf der Stelle, wie er das vermöge seines Reichtums wohl vermag.  Dafür liebe ich ihn denn auch mehr als mich selbst, und wenn ich nur  eines Gedankens, geschweige denn einer Handlung fähig wäre, die seiner  Ehre oder seinem Gefallen zuwiderliefe, so verdiente gewiß keine arge  Hexe den Scheiterhaufen so sehr wie ich. Nun werde ich aber, vielleicht  weil er mich andern Sinnes glaubt, von einem jungen Manne förmlich  belagert, dessen Name mir nicht bekannt ist, der aber [225] von Stande zu sein scheint, hübsch und groß von Gestalt ist, gewöhnlich  feines braunes Tuch trägt und, wenn ich mich nicht irre, viel mit Euch  umgeht. Ich kann vor keine Tür und an kein Fenster treten oder gar aus  dem Hause gehen, ohne daß er gleich bei der Hand wäre. Mich wundert&#8217;s  nur, daß er nicht schon hier ist. Mir aber ist die ganze Sache äußerst  unlieb; denn solch ein Benehmen kann auch die anständigste Frau in einen  üblen Ruf bringen. Ich hatte mir schon vorgenommen, es ihm durch meine  Brüder sagen zu lassen; dann habe ich aber wieder bedacht, wie Männer  solche Bestellungen so auszurichten pflegen, daß die Antwort übel  ausfällt. Es gibt einen Wortwechsel, und von den Worten kommt es am Ende  zu Tätlichkeiten. Darum habe ich stillgeschwiegen, um Unglück und  Ärgernis zu vermeiden, und habe mich entschlossen, mit Euch zu reden,  teils weil Ihr sein Freund zu sein scheint, teils weil es sich für Euch  schickt, über dergleichen Dinge auch fremde Leute, wieviel mehr denn  Euren Freund, zu ermahnen. Und so bitte ich Euch denn um Gottes willen,  ihm für sein Benehmen einen Verweis zu geben und ihn zu bitten, daß er  sich dessen in Zukunft enthalte. Es gibt andere Weiber genug, die wohl  an solchen Geschichten Gefallen finden. Die werden sich freuen, wenn er  ihnen nachgafft und ihnen den Hof macht. Mir aber, die ich zu solchen  Torheiten keineswegs aufgelegt bin, ist dergleichen im höchsten Grade  lästig.«</p>
<p>Nachdem sie dies gesagt hatte, senkte sie den  Kopf, als träten ihr die Tränen in die Augen. Unser Heiliger erriet  alsbald, wen sie wirklich meinte, lobte sie wegen ihres heilsamen  Entschlusses und versprach ihr, von der Wahrheit ihres Berichts  vollkommen überzeugt, es schon dahin zu bringen, daß dieser Mensch ihr  nicht mehr lästig fallen solle. Da er wußte, daß sie reich war, empfahl  er ihr ferner noch Almosen und gute Werke und trug ihr seine eigenen  Bedürfnisse vor. Die Dame erwiderte: »Ich bitte Euch um Gottes willen,  tut, wie Ihr gesagt habt, und sollte er etwa leugnen wollen, so sagt ihm  nur, ich selbst hätte Euch alles gesagt und mich bei Euch beschwert.«</p>
<p>Als nun die Beichte vorbei war und der Mönch ihre  Bußen bestimmt hatte, gedachte sie der Ermahnungen zu guten Werken, die  er ihr erteilt hatte, drückte ihm ein reichliches [226] Geschenk in die Hand und bat ihn, für ihre verstorbenen Angehörigen ein  paar Seelenmessen zu lesen. Darauf erhob sie sich vom Beichtstuhl und  ging nach Hause.</p>
<p>Nicht lange darauf kam der Edelmann nach seiner  Gewohnheit zu unserem ehrwürdigen Herrn, der ihn, nachdem sie einige  Augenblicke über dies und jenes gesprochen hatten, beiseite nahm und  ganz höflich wegen der Aufmerksamkeit und der verliebten Blicke zur Rede  stellte, mit denen er nach ihrer eigenen Erzählung jene Dame von ihm  verfolgt glaubte. Der Edelmann, der ihr niemals nachgesehen hatte und  sehr selten an ihrem Hause vorüberkam, wunderte sich nicht wenig und  fing an, sich zu verteidigen. Der Pater aber ließ ihn nicht zu Worte  kommen und sagte: »Stell dich nur nicht so verwundert und verliere deine  Worte nicht, um zu leugnen, was du doch nicht leugnen kannst. Ich rede  keinen Nachbarklatsch nach, denn sie hat, mit vielen Klagen über dich,  mir alles selbst erzählt. Und obgleich sich solche Tändeleien überhaupt  nicht für dich schicken, so will ich dir nur so viel sagen, daß, wenn  einer diese Albernheiten zuwider sind, so sind sie&#8217;s ihr. Darum rate ich  dir zu deiner eigenen Ehre und ihr zu Gefallen, bleib davon und lasse  sie in Frieden.«</p>
<p><strong>Der Edelmann, der etwas schärfer sah als der gute  Pater, erriet bald genug die Schlauheit der Dame</strong>, tat also etwas  beschämt und versprach, sich nicht weiter in diese Sache einzulassen.  Dann verließ er den Mönch und eilte zum Hause der Dame, die noch immer  an einem kleinen Fenster aufmerksam verweilte, um ihn zu sehen, wenn er  etwa vorüberginge. Als sie ihn nun erblickte, erzeigte sie sich gegen  ihn so freundlich und gefällig, daß er wohl einsehen mußte, er habe die  Worte des Mönchs richtig verstanden. Und so ging er denn von diesem Tage  an zu seinem eigenen Vergnügen und zu großer Freude und Beruhigung der  Dame vorsichtig, als ob andere Geschäfte ihn dorthin führten, täglich  jene Straße entlang.</p>
<p>Die Dame indes hatte sich bald überzeugt, daß sie  ihm ebenso gut gefiel wie er ihr, und voller Verlangen, ihn noch mehr  zu entflammen und ihm ein sicheres Zeichen ihrer Liebe zu ihm zu geben,  nahm sie die Gelegenheit wahr, zu dem ehrwürdigen Klosterbruder  zurückzukehren. Kaum hatte sie sich ihm zu [227] Füßen niedergelassen, so begann sie bitterlich zu weinen. Als der  Geistliche sie in Tränen sah, fragte er voller Teilnahme, was sie Neues  bringe. Die Dame antwortete: »Hochwürdiger, ich habe keine anderen  Neuigkeiten als solche von Eurem verwünschten Freunde, über den ich mich  neulich schon beschwerte. Wahrlich, ich glaube, er ist geboren, um mich  zu plagen und zu Dingen zu verlocken, um derentwillen ich mir ewige  Vorwürfe machen und nie wieder wagen würde, vor Euch zu erscheinen.«  »Wie«, sagte der Pater, »hat er denn nicht aufgehört, dich zu  belästigen?« »Gewiß nicht«, erwiderte die Dame, »vielmehr kommt er, seit  ich mich bei Euch beschwerte, gleichsam mir zum Trotz und weil er mir  übelgenommen, daß ich über ihn Klage geführt, für einmal jetzt täglich  wenigstens siebenmal an meinem Hause vorbei. Und wollte Gott, er wäre  beim Vorübergehen und Heraufgucken stehengeblieben! Aber so verwegen, so  unverschämt ist er gewesen, daß er mir erst gestern ein Frauenzimmer  mit Botschaft von ihm und mit verliebtem Geschwätz ins Haus geschickt  und mir eine Tasche und einen Gürtel geschenkt hat, als ob ich nicht  Taschen und Gürtel genug hätte. Das habe ich ihm aber so übelgenommen  und nehme es ihm noch so übel, daß ich ihm den Teufel über den Hals  geschickt hätte, wenn ich mich nicht vor der Sünde gefürchtet und Euch  zuliebe an mich gehalten hätte. So habe ich mir denn am Ende noch Gewalt  angetan und nichts tun und sagen wollen, ohne Euch zuvor davon zu  benachrichtigen. Dem Frauenzimmer übrigens hatte ich Gürtel und Tasche,  die sie mir gebracht hatte, schon zurückgegeben, daß sie ihm beides  wiederbringen sollte, ihr auch sonst bösen Bescheid erteilt, als mir  einfiel, sie könnte vielleicht gar die Geschenke behalten und ihm  erzählen, ich hätte sie angenommen; denn solche Weiber sollen  dergleichen wohl tun. Darum rief ich sie zurück, nahm ihr die Sachen  voller Verdruß wieder aus der Hand und habe sie nun Euch mitgebracht,  damit Ihr sie ihm wiedergebt und ihm sagt, daß ich seine Geschenke nicht  brauche; denn, Gott und meinem Mann sei es gedankt, Gürtel und Taschen  habe ich noch so viele, daß ich ihn darunter ersticken könnte. Dann aber  bitte ich Euch, den ich wie einen Vater ehre, um Verzeihung, wenn ich  es meinem Mann und meinen Brüdern sage, sobald er mir [228] nun keine Ruhe mehr läßt, mag daraus werden, was da will. Ergeht es ihm  dann übel, nun, so soll mir&#8217;s immer noch viel lieber sein, als wenn ich  durch ihn in schlechte Nachrede komme, und damit gut!«</p>
<p>Als sie das gesagt hatte, zog sie, ohne ihre  Tränen zu unterbrechen, eine äußerst schöne und reichgestickte Tasche  nebst einem zierlichen, kostbaren Gürtel unter dem Mantel hervor und  warf sie dem Mönch in den Schoß. Dieser glaubte noch immer an die  Wahrheit ihrer Erzählungen, nahm die Geschenke voller Zorn und sagte:  »Mein Kind, ich wundere mich nicht, wenn diese Vorfälle dich betrüben,  und kann dich deswegen nicht tadeln; vielmehr lobe ich an dir, daß du  dabei meinen Ratschlägen gefolgt bist. Ich habe ihn neulich zur Rede  gestellt; er aber hat schlecht gehalten, was er mir damals versprach,  und so denke ich ihm denn um dessentwillen, wie auch wegen seiner neuen  Vergehen dermaßen den Kopf zu waschen, daß er keine Lust mehr haben  soll, dich zu beunruhigen. So lieb dir aber Gottes Segen ist, so lasse  dich vom Zorne nicht überwältigen, einen der Deinigen von dieser  Angelegenheit zu unterrichten; es könnte zuviel Unglück daraus  entstehen. Übrigens sei wegen deines Rufes unbesorgt, denn ich werde  deine Unschuld immerdar, vor Gott wie vor den Menschen, unwandelbar  bezeugen.«</p>
<p>Die Dame schien sich etwas zu beruhigen. Da sie  von der Habsucht dieses wie der andern Mönche wohl unterrichtet war,  lenkte sie das Gespräch von jenem Gegenstande ab und sagte: »Ehrwürdiger  Herr, in den letzten Nächten sind mir mehrere meiner Verwandten  erschienen, die wohl große Qualen erdulden müssen und nichts verlangen  als Almosen; vor allem aber meine verstorbene Mutter, die so betrübt und  elend aussieht, daß es ein wahrer Jammer ist. Ich glaube bestimmt, daß  es ihr bitter weh tut, mich von diesem bösen Feinde so versucht zu  sehen, und darum wünschte ich, Ihr läset mir für ihre Seele die vierzig  Gregoriusmessen und sagtet dazu Eure Gebete, damit Gott sie aus den  Feuerqualen befreie.« Und mit diesen Worten drückte sie ihm einen  Goldgulden in die Hand. Der ehrwürdige Pater nahm ihn voller Freuden,  bekräftigte mit guten Worten und mit vielen Beispielen ihre Frömmigkeit  und entließ sie dann mit seinem Segen.</p>
<p>[229] Als die Dame fortgegangen war, schickte er, immer noch ohne zu ahnen,  daß man ihn zum besten hatte, nach seinem Freunde, der gleich bei seinem  Eintritt, als er den Mönch zornig sah, erriet, er werde Neuigkeiten von  seiner Dame hören, und nun abwartete, was jener ihm sagen werde. Der  Mönch wiederholte, was er ihm schon früher gesagt hatte, und schalt ihn  besonders mit vielen zornigen und harten Worten wegen dessen, was er,  den Reden der Dame zufolge, getan haben sollte. Der Edelmann, der noch  nicht durchschauen konnte, wo der Mönch eigentlich hinwollte, leugnete  ziemlich lau, Gürtel und Tasche geschickt zu haben, damit er jenem, wenn  die Dame ihm die Geschenke gegeben hätte, nicht den Glauben daran  nähme. Aber der Pater sagte ganz aufgebracht: »Du schlechter Mensch, wie  kannst du das leugnen? Da sieh her! Mit vielen Tränen hat sie selber  sie mir gebracht, und nun sage, ob du sie erkennst.« Der Edelmann tat  sehr beschämt und sagte: »Freilich kenne ich diese Geschenke und  bekenne, daß ich unrecht getan habe. Ich schwöre aber auch, weil ich sie  also gesinnt sehe, daß Ihr von dieser Sache nie wieder ein Wort hören  sollt.« Nun wurde noch viel hin und her geredet. Endlich aber gab Bruder  Einfalt Gürtel und Tasche an den Freund heraus und entließ ihn dann  nach langen Strafpredigten und Bitten, sich in Zukunft solcher Dinge zu  enthalten.</p>
<p>Der Edelmann ging, hocherfreut über die  Gewißheit, daß seine Dame ihn liebte, wie über das schöne Geschenk,  sobald er den Mönch verlassen hatte, mit Vorsicht an eine Stelle, von  der aus er die Dame sehen lassen konnte, daß er das eine wie das andere  erhalten hatte. Der Dame war dies um so lieber, als sie nun am  glücklichen Fortgang ihres Planes nicht mehr zweifelte.</p>
<p>Während sie nun, um ans Ziel ihrer Wünsche zu  gelangen, nichts als eine gelegentliche Abwesenheit ihres Gatten  erwartete, traf es sich, daß wenig später ihr Mann gewisser Geschäfte  wegen genötigt war, nach Genua zu reisen. Kaum war er des Morgens zu  Pferde gestiegen und fortgeritten, so ging unsere Dame auch schon zum  gestrengen Pater und sagte unter Schluchzen und Tränen: »Würdiger Vater,  nun erkläre ich Euch, ich kann&#8217;s nicht länger aushalten. Aber weil ich  Euch neulich versprochen habe, nichts zu unternehmen, ohne Euch zuvor  davon [230] zu sagen, so komme ich, um mich zu rechtfertigen. Damit Ihr indes  einseht, wieviel Recht ich habe, zu weinen und mich zu beklagen, will  ich Euch nur erzählen, was Euer guter Freund oder vielmehr der Teufel  aus der Hölle mir heute morgen kurz vor der Frühmesse getan hat. Ich  weiß nicht, was für ein böser Geist ihm mitgeteilt hat, daß mein Mann  gestern früh nach Genua gereist ist; genug, heute morgen, um die Zeit,  die ich Euch gesagt habe, kommt er in meinen Garten und klettert auf  einem Baum bis an das Fenster meines Schlafzimmers, das nach dem Garten  hinausgeht. Schon hatte er das Fenster aufgemacht und wollte in die  Kammer steigen, als ich aufwachte und sogleich aus dem Bette sprang.  Eben wollte ich zu schreien anfangen, und ich hätte gewiß geschrien,  wenn er nicht unter Nennung seines Namens mich noch von außen um Gottes  und um Euretwillen um Gnade gebeten hätte. Euch zuliebe schwieg ich  still, lief aber nackt, wie ich auf die Welt gekommen bin, ans Fenster  und schlug es ihm vor der Nase zu. Ich glaube, er ist zum Teufel  gegangen, denn ich habe ihn dann nicht weiter gehört. Nun sagt mir  selbst, ob das ein anständiges Benehmen ist, und ob man das dulden darf.  Was mich betrifft, so denke ich es nicht mehr zu ertragen; habe ich ihm  die ganze Zeit über doch nur Euch zuliebe allzuviel nachgesehen.«</p>
<p>Als der Mönch dies hörte, wurde er über die Maßen  zornig und wußte nichts zu erwidern, als daß er sie mehrmals fragte, ob  sie denn auch gewiß gesehen habe, daß es jener Edelmann und kein  anderer gewesen sei. »Nun, gottlob«, antwortete die Dame, »den kann ich  wohl noch von einem andern unterscheiden. Ich sage Euch, er war&#8217;s, und  sollte er&#8217;s leugnen, so glaubt ihm nur nicht.« »Meine Tochter«,  erwiderte darauf der Mönch, »dazu kann ich nichts sagen, als daß es eine  übermäßige Frechheit und abscheuliche Missetat ist. Du tatest deine  Pflicht, als du ihn fortschicktest. Aber nun möchte ich dich noch  bitten, daß du, weil Gott dich vor Schande bewahrte, meinem Rat, dem du  schon zweimal gefolgt bist, auch diesmal folgst und es, ohne dich bei  deinen Angehörigen zu beklagen, mir überläßt, ob ich diesen Teufel, der  aus der Hölle entsprungen zu sein scheint und den ich für einen Heiligen  gehalten hätte, nicht zu bändigen imstande bin. Gelingt es mir, ihn von  seinem viehischen Betragen [231] abzubringen, so ist es gut; wo nicht, so gebe ich dir jetzt mit meinem  Segen das Versprechen, daß ich dich nicht wieder hindern will, zu tun,  was dir richtig zu sein scheint.« »Nun wohl«, sagte die Dame, »ich will  Euch für diesmal weder erzürnen noch Euch ungehorsam sein. Aber nun  sorgt dafür, daß er sich hüte, mich ferner zu plagen, denn wahrlich, zu  Euch komme ich in dieser Sache nun nicht wieder.«</p>
<p>Und damit ging sie, ohne weiter etwas zu sagen,  als wäre sie aufgebracht, von dannen. Kaum hatte sie die Kirche  verlassen, so kam auch der Edelmann des Weges. Der Mönch rief ihn an,  nahm ihn beiseite, sagte ihm die größten Grobheiten, die man jemals  einen andern hat hören lassen, und nannte ihn einen Schelm, einen  Meineidigen und einen Verräter über den andern. Dieser aber hatte schon  zweimal erfahren, was das Schelten des Paters zu bedeuten hatte, und er  suchte ihn deshalb durch halbe Antworten zum Reden zu bringen. »Würdiger  Herr«, sprach er, »was soll dieser Zorn? Habe ich denn Christus  gekreuzigt?« »Nun höre einer diesen Unverschämten«, antwortete der  Geistliche, »wie er tut. Redet er doch wahrhaftig nicht anders, als ob  es ein oder zwei Jahre her wäre und er sich der langen Zeit wegen auf  seine Schändlichkeiten und schlechten Streiche nicht mehr besinnen  könnte. Ist es dir von heute morgen bis jetzt schon entfallen, wen du  beleidigt hast? Nun, wo warst du heute kurz vor Tag?« »Was weiß ich, wo  ich gewesen bin«, erwiderte der Edelmann; »Ihr müßt aber schnelle Boten  haben.« »Freilich«, sagte der Mönch, »ist die Botschaft mir schon  zugekommen. Aber ich merke schon, du dachtest, weil der Mann nicht zu  Hause ist, empfinge die gute Frau dich nur so mit offenen Armen. Hoho,  der ehr- und tugendsame Herr ist ein Nachtwandler, ein Gartenschleicher,  ein Baumkletterer geworden. Denkst du denn durch deine Unverschämtheit  die Reinheit dieser Dame zu besiegen, daß du ihr in der Nacht auf den  Bäumen ins Fenster kletterst? Nichts auf der Welt ist ihr so ganz und  gar zuwider, wie du es ihr bist, und doch probierst du&#8217;s immer aufs  neue. Ich will gar nicht davon reden, daß sie dir&#8217;s vielfach zu erkennen  gegeben hat; aber wahrhaftig, meine Ermahnungen hast du dir besonders  zu Herzen genommen. Das will ich dir indes hiermit [232] gesagt haben: bis jetzt hat sie, nicht etwa aus Liebe zu dir, sondern  auf meine Fürbitte hin von deinem Benehmen geschwiegen; nun aber wird  sie nicht mehr schweigen. Ich habe es ihr freigestellt, ganz nach ihrem  Belieben zu verfahren, wenn du noch irgend etwas tust, das ihr mißfällt.  Und was willst du machen, wenn sie&#8217;s ihren Brüdern sagt?«</p>
<p><strong>Der Edelmann hatte nun alles, was er brauchte,  zur Genüge erfahren. Er besänftigte daher den Pater nach bestem Wissen  und Können mit reichlichen Versprechungen und sagte ihm Lebwohl. Als  aber in der nächsten Nacht die Zeit der Mette herangekommen war, schlich  er sich in den Garten, erkletterte den Baum und eilte durch das offene  Fenster in die Arme seiner schönen Dame, die ihn nach sehnsüchtigem  Erwarten freudig mit den Worten empfing: »Großen Dank dem Herrn Pater,  der dir den Weg zu mir so schön gezeigt hat.«</strong> Nun genossen sie einander  und konnten unter vielen Scherzen und Gelächter über die Einfalt des  Bruders Rindvieh und unter Spott über Spulräder, Kämme und Wollkratzer  ihrem Ergötzen kein Ziel setzen. Dann aber wußten sie es so  einzurichten, daß sie, ohne der Hilfe des Paters ferner zu bedürfen, in  gleicher Freude noch viele Nächte verbringen konnten, zu welchem Glück  Gott mir und anderen Christenseelen, die danach Verlangen tragen, in  seiner heiligen Barmherzigkeit auch bald verhelfen möge.</p></blockquote>
<div>
<div>
<div>Quelle:</div>
<div>Boccaccio, Giovanni: Das Dekameron. München 1964, S. 222-232.</div>
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</div>
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